40 Prozent des Tages für Facebook, Labern und Klo

Es ist Sommer in München.

Aus Café- Türen klingt Musik, Biergärten laden zum Verweilen ein. Junge Menschen bewegen sich in Sommerkleidung durch den Englischen Garten, andere trödeln mit ihren Fahrrädern entspannt vorbei. Ein klarer, violett- blauer Himmel wölbt sich über Schwabing, und es wird wärmer. Es ist Sommer.

Doch nicht jeder hat einen Blick dafür: Eine Podiumsdiskussion in der Immatrikulationshalle der Universität erregt Aufmerksamkeit. Es soll über Arbeit diskutiert werden, vor allem, was heute junge Menschen unter guter Arbeit verstehen.

Der Gastgeber: Microsoft. Der IT- Konzern beabsichtigt, einen Widerspruch zu verdeutlichen.

Unter dem Titel: "Hallo Arbeitswelt, ich wäre dann so weit" soll die Situation verdeutlicht werden: Junge Menschen, mobil und beseelt vom Wunsch nach Freiheit und Eigenverantwortung treffen auf Unternehmen. Und diese sind mit oftmals gestrigen Strukturen noch gar nicht auf das vorbereitet, was da auf sie zukommt.

Freilich ist es nicht so, dass dieses Klischee auf alle jungen Menschen zutrifft, die in den Arbeitsmarkt strömen.

Es gibt natürlich auch heute noch Studenten, die den klassischen Nine-to-Five-Job wünschen, eine klassische Trennung von Arbeit und Privatleben, und nicht jeder möchte vernetzt und mobil arbeiten. Jedoch: Unternehmen sind zwiespältig. In einigen ist es wichtiger, ein schickes Kleid zu tragen als gute Arbeit zu leisten. Für einige ist dies ein Impuls, selbst ein Unternehmen zu gründen, eine eigene Firmenkultur zu schaffen, die zeitgemäß ist und Innovationen fördert.

Aber was ist gute Arbeit?

Die Podiumsdiskussion, zu der Microsoft einlud, beschäftigt sich genau mit dieser Frage. Unter der Leitung von Christian Helten (jetzt.de) diskutiert da eine illustre Runde aus Unternehmern und Studenten über die Zukunft der Arbeit.

Thorsten Hübschen (Microsoft) vertritt einen pragmatischen Ansatz: Letztendlich zählen nur zwei Punkte: Kunden und Innovationen. Diese These wird von Daniel Krauss (Flixbus) sofort aufgenommen: Das Privileg, sich seine Kunden selbst aussuchen zu können, habe er nicht. Der Chef des jungen Unternehmens erwartet jedoch auch nicht, von seinen Kollegen privilegiert behandelt zu werden: Die Kommunikation mit den Kollegen schätzt er an seiner Arbeit am meisten. Den Begriff "Mitarbeiter" scheint der junge Unternehmensgründer offenbar zu vermeiden. Auch der Formale Status der Kollegen, Fahrer etc. sei nicht so wichtig: Gibt es Probleme mit den Bussen, so sei auch er der Ansprechpartner.

Es geht eben um die Aufgabe. Und dass diese erledigt wird. Rausgehen, sich die Arbeit selbst einteilen und dies im Sinne der Sache möglichst effektiv. Freiheiten haben.

Ein Mann aus dem Publikum meldet sich zu Wort: Es ist doch sinnlos, Menschen acht Stunden lang in ein Büro zu stecken. Wer so arbeiten muss, bringe 40 Prozent seiner Arbeitszeit für Facebook, Labern und Klo zu.

Diese Ansichten sollten wir als Unternehmer nicht falsch verstehen. Wir sollten sie jedoch auch nicht vom Tisch wischen: Diese jungen Menschen, die ihre Vorstellungen von einer neuen Art der Arbeitsorganisation einfordern, sind nicht etwa faul. An keiner Stelle geht es darum, Arbeitszeit zu verwässern und letztendlich diese als eine bequeme Beschäftigung nebenbei zu degradieren. Vielmehr geht es darum, durch eine zeitgemäße Form der Selbstorganisation zu einer Work-Life-Balance zu gelangen.  Gut organisiert, erzielt der Mensch von beidem mehr, von Arbeit und Freizeit. Immer mehr Berufe verändern ihren Tätigkeitsschwerpunkt in eine Richtung, zu der dieses Modell passt.

Die mobile IT, die Cloud und der Netzausbau unterstützen diese Entwicklung. Gut so.

 

 


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